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Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V.

 

Arbeitsgruppe Schlangen

 

 

 

Merkblatt  6

 

Schlangenfütterung

 

Bearbeiter: Dr. D. Schmidt

 

02. Ausgabe (April 2004)

 

 

1. Fütterungsprobleme?

 

Die zum Thema „Fütterung“ am häufigsten gestellten Fragen lauten:

    

     - Wie oft muss eine Schlange gefüttert werden?

     - Wann oder zu welcher Tageszeit soll gefüttert werden?

     - Wie sollen Futtertiere oder Nahrungsbrocken angeboten werden, welche Techniken sind zu

        empfehlen?

 

Für eine erfolgreiche Fütterung sind nicht nur Kenntnisse und Erfahrungen zum genannten Fragen­komplex erforderlich, es sind auch arttypische Verhaltensweisen, oft auch individuelle Besonderhei­ten, zu beachten. Im Rahmen des vorliegenden Merkblattes kann das Thema auf Grund seiner Vielschichtigkeit nicht erschöpfend abgehandelt werden. Dem Einsteiger in die Schlangen­pflege wird deshalb empfohlen, Kontakte zu anderen Terrarianern zum Austausch von Erfahrungen aufzunehmen. Das trifft insbesondere auf die Techniken zur Zwangsfütterung und der Ernährung von Jungschlangen zu.

 

Zur Art des an Schlangen zu verabreichenden Futters sei auf das Merkblatt 5 “Schlangennahrung” verwiesen.

 

2. Grundsätze der Fütterung von Schlangen

 

- Grundsätzlich sollten die Tiere in ihrer bekannten Umgebung, also im Terrarium, gefüttert

   werden.

 

- Der Terrarienboden sollte hygienisch unbedenklich, insbesondere frei von Exkrementen sein.

 

- Die wichtigsten Gerätschaften für die Fütterung müssen griffbereit sein: Futterpinzette,

  Futterzange, geeignete Handschuhe, Schlangenhaken, verschließbares Behältnis zum Umsetzen.

 

- Schlangen vermögen ihre Beute nicht zu zerteilen. Beutetiere werden als Ganzes verschlungen.

   Die Größe des Futtertieres ist entsprechend der Größe der Schlange zu bemessen.

 

- Nie sind zu viele Futtertiere auf einmal anzubieten. Oft werden dann mehrere Tiere reflektorisch 

  getötet und nur eines verzehrt. Zuviel oder zu große Beute wird nach wenigen Tagen wieder

  ausgebrochen.

 

- Nach dem Erfassen der Beute wird reflektorisch der Schlingakt eingeleitet, der in der Regel am

  Kopf des Beutetieres beginnt. Bis zum vollendeten Abwürgen in den Magen soll die Schlange

  nicht gestört werden.

 

- Fang und Verschlingen der Beute sollte beaufsichtigt werden,  besonders wenn sich mehrere

  Schlangen im Terrarium befinden.

 

- Bei Kenntnis von Futterneid zwischen den Tieren sind Beißereien - oft mit fatalem Ausgang - zu

  vermeiden, indem jeweils nur das zu fütternde Tier im Terrarium verbleibt, die übrigen Tiere

  räumlich abgesondert werden.

 

- Der Zeitpunkt der Fütterung richtet sich nach der natürlichen Aktivitätsperiode der Schlange.

   Dämmerungs- und nachtaktive Tiere werden in den Abendstunden, möglichst bei reduzierter

   Beleuchtung gefüttert, tagaktive Tiere entsprechend. Eingewöhnte Tiere fressen auch außerhalb

   ihrer natürlichen Fresszeiten.

 

- Die Häufigkeit der Fütterung hängt hauptsächlich vom Alter der Schlange ab. Als Faustregel kann

  gelten: Schlüpflinge und neugeborene Tiere nach der ersten Häutung alle zwei bis drei Tage;

  juvenile Tiere alle ein bis zwei Wochen; adulte Tiere alle drei bis sechs Wochen.

  Höhere Temperaturen beschleunigen Verdauung und erneute Fressbereitschaft.

 

- Leicht verdauliche Nahrung - wie Fisch - ist öfter zu verabreichen als beispielsweise Kleinsäuger.

 

- Es sollten möglichst lebende Futtertiere angeboten werden. Damit wird dem natürlichen

  Beuteverhalten der Schlange entsprochen; die Haltung ist tiergerechter.

 

- Eingefrostete Nahrung ist gründlich aufzutauen und auf  Umgebungstemperatur (Fisch, Fleisch,  

   Lurche) oder Körpertemperatur (Futtersäuger, Vögel) zu erwärmen.

 

- Ursachen erklärbarer Nahrungsverweigerung sind zu beachten. Dieses können sein: bevorstehende  

  Häutung, fortgeschrittene Trächtigkeit, natürliches Fasten - oft jahreszeitlich bedingt, Wildfang in

  der Eingewöhnungsphase.

 

- Nahrungsverweigerung kann ferner verursacht werden durch Stresssituation kurz vor der

  Fütterung, Krankheit, Haltungsfehler, fehlende Schlüsselreize, falsches Futter.

 

- Für das Anbieten eines Beutetieres mit der Futterpinzette ist die Kenntnis des artspezifischen

  Beuteverhaltens wichtig. Ansitzjäger sind anders zu behandeln als jagende Schlangen.

 

- Selbst eine mehrmonatige Futterverweigerung ist, insbesondere bei einer größeren Schlange, kein

  Grund zur Besorgnis. Dabei sollte aber die Körpermasse des Tiere nicht zu sehr abnehmen.

  Hartnäckige Nahrungsverweigerer müssen möglichst vor einer deutlichen Abmagerung

  zwangsernährt werden.

 

3. Zwangsfütterung   

Eine Zwangsfütterung ist stets ein Notlösung, die weder für die Schlange sehr zuträglich noch für den Terrarianer problemlos ist, wenn es sich um große oder giftige Schlangen handelt. Hautfalten oder gar schon ein deutliches Heraustreten der Wirbelsäule bei sonst rundrückigen Arten sind deut­liche Hinweise darauf, dass der Ernährungszustand der Schlange bedenklich geworden und eine Zwangsfütterung angeraten ist.

 

Zur Zwangsfütterung größerer Schlangen ist eine Hilfsperson erforderlich, die den Patienten hinter dem Kopf ergreift und im vorderen Körperteil vorsichtig streckt. Bei großen Riesenschlangen sind mehrere Hilfskräfte hinzuzuziehen. Versucht die Schlange nicht schon von selbst in das vorgehaltene Futter zu beißen, wird das Maul mit Hilfe eines Spatels oder ähnlichem mit sanfter Gewalt geöffnet. Dann wird mit einer stumpfen Pinzette die Beute mit dem Kopf voran tief in den Schlund geschoben und bis etwa zum Magen massiert. Die Zwangsfütterung muß nicht mit arttypischer Beute erfolgen; Fische oder Fleischstreifen sind viel einfacher zu verabreichen. Man muß bei längerer Zwangsernährung allerdings auf die Vollwertigkeit des Futters achten.

 

Für eine schonende Zwangsernährung kann die Verabreichung eines nicht zu flüssigen Futterbreies über eine Schlundsonde empfohlen werden. Als möglichst vollwertige Nahrung, die mit einer Spritze durch einen Schlauch oder eine Kunststoffkanüle verabreicht wird, haben sich die unterschiedlichsten Rezepturen bewährt. Sie enthalten vor allem Eidotter, gequirltes Ei, durchgedrehtes Herzfleisch mit Zusätzen von warmer Milch, Traubenzucker, getrockneten oder lebenden Wasserflöhen oder Bachflohkrebsen, Mineralstoffen und Vitaminen.

4. Ernährung von Jungschlangen

 
Mitunter bereiten Jungschlangen Probleme bei der ersten Fütterung. Unser oft mangelhaftes Wissen über die natürliche Beute der Jungtiere oder Knappheit an diesem Futter sind wohl die größten Probleme.

 

Der Begriff "Ersatzfutter" ist keineswegs abwertend. Es handelt sich dabei meist um natürliche, vollwertige Nahrung, die aber in diesem Altersabschnitt und / oder von dieser Art in der Natur sonst nicht angenommen wird. So lassen sich viele Jungschlangen, die sich normalerweise von jungen Echsen ernähren, auf nestjunge Mäuse prägen. Inwieweit Jungtiere Warmblüter fressender Arten Wirbellose fressen, ist kaum bekannt. Die Probleme mit derartigen Jungschlangen sind dann oft behoben, wenn die Schlangen groß genug geworden sind, um bereits behaarte Jungmäuse zu überwältigen.

 

Meist verweigern nicht alle Jungtiere eines Geleges oder eines Wurfes die Futteraufnahme. Hilfreich sind dann absolute Störfreiheit und ein kleines Terrarium. Sogar das Zusammensperren einer Futter verweigernden Jungschlange mit ei­ner nestjungen Maus in einer Schachtel hat schon zum Erfolg geführt. Auf keinen Fall sollte man zu früh mit der Zwangsfütterung beginnen. Es ist sogar möglich, kräftige Jungschlangen, die noch nicht gefressen haben, einzuwintern. Sie werden im Frühjahr um so leichter ans Futter gehen. Im Allgemeinen ist es aber empfehlenswert, Jungschlangen im ersten Winter nicht einzuwintern - bis zum nächsten Jahr sind die Tiere dann schon gut gewachsen und weniger problematisch.

Helfen alle Tricks nicht und die junge Schlange verweigert hartnäckig jede Futteraufnahme, sollte nach frühestens vier bis sechs Wochen mit einer Zwangsfütterung begonnen werden. Vielfach reißt die sanft mit Daumen und Zeigefinger seitlich hinter dem Kopf gehaltene Jungschlange das Maul auf und beißt ins Futter. Vielleicht beginnt sie auch nach einigen Versuchen mit kauenden Schluckbewegungen. Im Verweigerungsfall wird der Futterbrocken vorsichtig in den Schlund geschoben und die Schlange ruhig abgelegt. Setzt dann immer noch kein Schluckreflex ein und wird die Nahrung wieder ausgespieen, ist der Brocken maximal bis zur Körpermitte zu massieren. Sollte die Schlange versuchen, das Futter trotzdem wieder auszuwürgen, legt man das Tier ins Wasserbecken - es muss dann schwimmen und unterlässt das Würgen.

 

Bei einer Schlange, deren Maul auch beim besten Willen nicht mit einem Hölzchen zu öffnen ist, um einen Futter­brocken einschieben zu können, bleibt als Ausweg die Verabreichung eines Futter­breies mit einer Spritze. Bei kleinen Jungschlangen hat sich die Verwendung einer 1-ml-Einwegspritze bewährt, deren Konus erweitert wurde, um den Futterbrei ins Maul drücken zu können. Zur zwangsweisen Verfütterung nestjunger Mäuse sind so genannte "Pinkie Pumps" im Fachhandel erhältlich, die diese Aufgabe erfüllen.

 

5. Tränken

 

Obwohl Schlangen recht unregelmäßig Wasser aufnehmen, ist im Terrarium insbesondere im An­schluss an eine Futteraufnahme häufig ein ausgiebiges Trinken zu beobachten.

 

Sauberes Trinkwasser muss den Tieren ständig zur Verfügung stehen. Dies gilt ohne Einschränkung auch für Bewohner von Trockenbiotopen. Trinkgefäße im Terrarium sind regelmäßig zu säubern.

 

Viele Schlangen nehmen bevorzugt Wassertropfen von besprühten Pflanzenteilen oder Einrichtungsgegenständen auf. Ganz besonders gilt auch hier, Reste von Exkrementen vor dem Übersprühen gründlich zu entfernen, um die mit dem Trinkwasser aufgenommene Keimzahl zu reduzieren.

 

6. Verwendete Literatur

 

SCHMIDT, D. (1995): Schlangenfraß. - DATZ Aquarien Terrarien, Stuttgart, 48 (9):  579-585; 48 (10): 668-671.